In den Demos vom Oktober präsentiert Bubble zwei miteinander verknüpfte Neuerungen – Agent 2 und MCP – als wichtigen Wendepunkt dafür, wie Menschen ohne Programmierkenntnisse und hybride Teams Software entwickeln. Agent 2 ist ein grundlegend überarbeiteter Assistent, der komplexe Anfragen als Projekte behandelt: Er stellt Rückfragen, entwirft einen Plan und wartet auf die Freigabe, bevor er Änderungen im Live-Editor vornimmt. Über MCP (Beta) lässt sich dieser Editor von externen Sprachmodellen wie Claude und ChatGPT aus erreichen. So kann man ein anderes Modell bitten, eine laufende App zu prüfen und direkt Seiten oder UI-Elemente hinzuzufügen. Zusammen verwischen die beiden Neuerungen die Grenze zwischen „KI-Prototyp“ und dauerhaft wartbarer visueller App.
In der Praxis senkt der Arbeitsablauf von Agent 2 das Risiko, dass eine einzelne mehrdeutige Eingabe fehlerhafte Funktionen hervorbringt. Bei mehrstufigen Funktionen läuft es nun so ab: Der Agent klärt offene Punkte mit Rückfragen, schlägt einen konkreten Schrittplan vor, führt die einzelnen Schritte erst nach ausdrücklicher Freigabe aus und nimmt anschließend interne Prüfungen vor, etwa durch die Suche nach Problemen und Screenshots. Diese Abfolge ist wichtig, wenn Teams wachsen: Sie sieht fest definierte Punkte für die menschliche Kontrolle vor. Auch die Vorschau im Editor erleichtert die Orientierung – Entwickler können Änderungen so sehen, wie der Agent sie sieht, und sie direkt im Kontext überprüfen oder zurücknehmen.
MCP verändert die Zusammensetzung von Teams und die Wahl der Werkzeuge, denn externe Sprachmodelle können damit Seiten und Elemente in einem laufenden Bubble-Projekt erstellen. Teams können Claude, ChatGPT oder andere Assistenten nun als Frontend-Designer oder -Entwickler einsetzen, der direkt im visuellen Modell von Bubble arbeitet. Das eröffnet konkrete Möglichkeiten: Einen mit einem anderen KI-Tool erstellten Vibe-Coding-Prototyp über MCP importieren und anschließend in Bubble wartbar machen – oder Bubble als zentrale Ausführungsumgebung nutzen, in der verschiedene Agenten Funktionen nach einem gemeinsamen Schema implementieren.
Diese Möglichkeiten sind besonders für Produktteams relevant, die entscheiden müssen, wo sie ihre Produktion zentralisieren. Im Vergleich zu Vibe-Coding-Plattformen, die einmalig verwendbaren Code generieren, verspricht Bubble mit seinem Editor und MCP eine langlebigere Arbeitsumgebung: Visuelle Workflows, Datenmodelle und wiederverwendbare Elemente bleiben für Menschen bearbeitbar. Das setzt jedoch einen disziplinierten Einsatz von Agenten voraus – mit klaren Plänen und Tests –, ebenso wie Regeln dafür, welche Agenten in ein Projekt schreiben dürfen, und transparente Abrechnungsmodelle bei steigendem Arbeitsaufkommen. Kurz gesagt: Die Technologie ermöglicht einen neuen Workflow; ob er sich für den Produktionseinsatz eignet, hängt von den betrieblichen Schutzmaßnahmen ab.


